Teil 3

 

Wanderung von Patrianos nach Chrisoskalitisa und 2 Versuche den Psiloritis zu besteigen.

 

23. Mai, von Patrianos zur Loutro Bucht

 

Ein wenig verlegen verließ ich 6.30 Uhr den Friedhof von Patrianos.

Wehmütig schaute ich auf die Schilder, die in die Richtung meiner gestrigen Tour zeigten. Heute musste ich als erstes die asphaltierte Küsten-Landstraße nach Westen bis nach Chora Sfakion wandern.

Hier tippte ich auf eine winzige unbedeutende Marina und hatte das Gefühl nicht voran gekommen zu sein.

Als ich dieses kleine Dorf am Meer aus der Höhe sah, verzweifelte ich, weil ich der Meinung war auf der öden Landstraße einfach nicht richtig voran zu kommen. Ich fragte einen vorbeikommenden Passanten, ob er wüsste wie weit es noch bis nach Chora Sfakion wäre. "Oh, das ist Chora Sfakion", entgegnete er mir und zeigte auf das kleine Dorf unter uns. Ich war überrascht und freute mich, doch schon so weit gekommen zu sein.

In der winzigen Stadt, die aber ein wichtiger Fährhafen an der Südküste Kretas nach Westen ist, kaufte ich mir sofort etwas zu essen. Schon bald setzte sich der ehemalige Bergsteiger Walther aus der Schweiz zu mir und erzählte mir aus seinem Leben. Er könne sich leider nicht mehr so bewegen, wie er es gerne hätte. Es war ein Jammer, wie Walther litt.

Schon bald lief ich wieder auf der Landstraße die Küste entlang.

Hin und wieder tauchten kleine hübsche Strände auf, die man aber auch gleich mit einem Hotel bepflastert hatte.

Irgendwann kam ein auffälliges Wegzeichen und der E4 verließ die Landstraße und schlängelte sich nun zwischen Fels und Geröll direkt am Strand des Meeres entlang.

Nach einer guten halben Stunde erreichte ich diese schöne Bucht. Hier gab es sogar eine kleine Bar auf Stelzen im Wasser. Die blaue See vor Augen genoss ich ein Glas frisch gepressten Orangensaft.

Blick über die schmale Bucht.

Auf der kleinen Halbinsel sah ich ein gelbes Zelt. Am liebsten hätte ich hier auch ein Zelt aufgeschlagen und einige Tage verweilt.

Das ist der Küsten-E4, der unverfehlbar nach Loutro führt.

Ein erster Blick auf die Bucht Loutro, die ganz auf Tourismus eingestellt ist. Diese Bucht kann man nur von See her erreichen.

Ein Restaurant und ein Hotel neben dem anderen, ein Paradies für Menschen, die es lieben den ganzen Tag am Strand zu liegen.

Trotz der vielen Restaurants unterschieden sich die angebotenen Mahlzeiten kaum.

Der Abend senkte sich auf die Bucht nieder. Ich hatte ein kleines Zimmer gefunden und genoss auf dem Balkon die abendliche Stille.

 

24. Mai, von der Loutro Bucht nach Agia Roumeli

Heute schlängelte sich der E4 an der Küste entlang. Wind, Wasser und Strand, darauf hatte ich mich schon seit Tagen gefreut.

Leider hatte ich keine so gute Nacht und in meinem Bauch rumorte es. Trotzdem genoss ich einen kühlen, sonnigen Morgen und wanderte voller Enthusiasmus aus der Loutro Bucht hinaus.

Der E4 war hier gut markiert und führte mich unweit dieser malerischen Kapelle mit Palmen direkt auf der Klippe am Meer entlang.

Nach der nächsten Biegung sah ich das kleine Hoteldorf Lykos und das sollte der Wanderer auf keinen Fall verfehlen.

In Lykos trank ich einen Kaffee, obwohl mir unwohl war. Letztlich musste ich konstatieren, dass mich ein Durchfall peinigte.

Ich wanderte trotzdem weiter, wobei die Markierung nach Lykos zu wünschen übrig ließ. Es war auch nicht selbsterklärend, sodass ich mein GPS zu hilfe nehmen musste, um den Einstieg in eine steile Klippe zu finden. Mit leichter Kletterei ging es im Fels ca. 100 m in die Höhe.

Auf einem gut sichtbaren Pfad wanderte ich durch felsige Klippen bis zur Marmara Bucht. Hier gab es eine Bar, mit herrlicher Sicht in die felsige Bucht. Weil mir nicht ganz wohl war, kaufte ich mir eine große Flasche Mineralwasser von 1,5 l, obwohl ich bereits 2 l mit mir führte.

Bei zauberhaftem Wetter mit Sonnenschein und kühlem Wind wanderte ich mehrere Stunden bergauf bergab an der Küste entlang.

Als ich das große Massiv umrundet hatte, tauchte ein Pinienwald auf, der herrlichen Schatten spendete und den ich auf leichtem Pfad mühelos querte.

Ganz in der Ferne konnte ich sogar schon Agia Roumeli ausmachen. Doch ich schätzte ab, dass noch mehrere Stunden Wanderung vor mir lagen. Was mich selbst betraf war ich nicht ohne Sorge, denn mein Zustand ließ zu wünschen übrig.

Unweit der kleinen Kapelle Agios Pavlos begann eine mühsame Stapferei durch feinen heißen Sand.

Manch einer wanderte direkt am Kiesstrand entlang.

In der Nähe dieser bemerkenswerten Kapelle fast unmittelbar am Wasser, gab es eine Bar am Strand. Ich wanderte weiter, obwohl mir eine Ruhepause bestimmt gut getan hätte.

Der Wind wühlte das Meer immer stärker auf und so hörte ich die gewaltige Brandung lautstark bis auf den E4 hinauf.

Ein Nacktwanderer fand hier seine Erfüllung.

Um es klar zu sagen, mir ging es schlecht. Ich quälte mich die letzten 2 Stunden mit Bauchweh und Durchfall auf dem Kiesstrand bis Agia Roumeli.

Unter schattenspendenden Pinien und in der Nähe eines blitzsauberen Wasch- und Toilettenhäuschens breitete ich sofort mein Lager aus. Von nun an pendelte ich im Viertelstundentakt zwischen Lager und Häuschen.

Ein jüngerer Mann hatte mich wohl beobachtet, kam zu mir und sagte: "Du hast wohl Durchfall." Zu den Worten reichte er mir mehrere Tüten isotonisches Getränk. Etwas naiv fragte ich, wie er das bemerkt habe. Ja, schon als du da lang getaumelt bist, war mir klar, dass du nicht gesund bist. Ich war dankbar. Wahrscheinlcih war es ein Arzt.

 

25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. Mai, meine Tage in Agia Roumeli

 

Den 25. und 26. Mai lag ich auf meiner Matte flach, aß nicht und pendelte nur zur Toilette.

Die Camper rund um mich herum kamen und wollten mir helfen, aber mein Zustand war so schlecht, dass ich selbst das Wasser, was ich zu mir nahm, in kürzester Zeit wieder verlor.

Clarissa, die hier mit ihrer Freundin campierte, überließ mir ihr Tarp, damit ich einen besseren Regen- und Sonnenschutz hatte.

Sie riet mir zur Selbstsuggestion, an meine Heilung zu glauben. Das tat ich auch und plante, wieder aufzubrechen, wenn es mir besser ginge, aber der Durchfall blieb.

Am 27. Mai ging ich den guten Ratschlägen gemäß zu der ortsansässigen Arztin, die mir ein Mittel verschrieb, das aber leider nicht wirkte. Am 28. Mai brachte mir Bob aus seiner Apotheke ein paar Bleche Norit Kohletabletten und die wirkten.

Am 29. Mai ging es mir besser und so besuchte ich am späten Nachmittag Bob.

Bob ist Engländer und machte schon seit Jahren im Sommer mit seiner Freundin Siegrid Urlaub in Agia Roumeli. Die Dritte im Bunde ist Clarissa, die Freundin von Siegrid.

Die drei haben sich um mich gekümmert, wofür ich ihnen auch hier noch einmal herzlich danke.

Auf meinem Rückweg kam ich am Lager von Isabell vorbei. Sie ist eine Sportlerin, die Touren auch in die wenig begangenen Berg Südkretas unternimmt. Von ihr bekam ich Genesungswünsche und Ausrüstungstipps.

Am 29. Mai gönnte ich mir abends in netter Gesellschaft erstmals wieder etwas zu essen. Eine einfache Gemüsesuppe schmeckte und bekam mir. Ich gewann neuen Mut, meine Tour durch Kreta fortsetzen zu können.

Das Campingreich der Teamgemeinschaft Siegrid, Clarissa und Bob. Jeden Sommer kommen sie nach Agia Roumeli und richten sich zwischen den Steinen und Bäumen häuslich ein.

Abends am 30. Mai war ich über den Berg. Die Kohletabletten wirkten Wunder. Wir, Siegrid, Clarissa und Bob, gingen in ein gutes Restaurant. Um wieder zu Kräften zu kommen, gönnte ich mir ein zartes Lammsteak und das schmeckte mir nach dieser langen Fastenzeit besonders gut.

Das sind ihre Kajaks, mit denen sie ab und zu auch in See stechen.

Am 30. Mai schmiedete ich schon wieder große Pläne. Morgen möchte ich durch die Samariaschlucht wandern, soweit es die Kräfte zulassen. Sollte ich zufrieden sein, werde ich übermorgen noch einmal durch die Samariaschlucht bis zum Dorf Samaria selbst wandern. Sollte das auch gut gehen, nehme ich die Fähre nach Soughia und setze meine Wanderung auf dem kretischen Weg fort.

 

30. 31. Mai, durch die Samaria Schlucht

Die Samaria Schlucht ist eine der längsten und tiefsten Schluchten Europas, die den Besucher durch ihre außergewöhnliche Naturschönheit beeindruckt.

Sie ist ca 16 km lang mit Felswänden, die bis zu 400 m in die Höhe steigen und an der engsten Stelle ca. 3 m breit ist. Auf dem Grund der Schlucht plätschert im Sommer ein Bach, der aber zur Zeit der Schneeschmelze zu einem reißenden Gebirgsfluss werden kann.

Üblicherweise wird die Samaria Schlucht von der Omalos Ebene 1227 m aus zur Küste hinab durchwandert. Da ich die Schlucht vom Meer aus erwandern möchte und wegen meiner mehrtägigen krankheitsbedingten Pause mich nicht in der Lage fühlte über die Omalos Ebene nach Soughia ans Meer zurück zu wandern, hatte ich mich entschlossen bis zu der ehemaligen Holzfällersiedlung Samaria und wieder zurück nach Agia Roumeli zu wandern.

Der weitläufige Eingang zur Samaria Schlucht

Verlassene Häuser der ursprünglichen Siedlung Palea Agia Roumeli, ca 2 km von der Küste entfernt. Sie wurde verlassen, als ein Hochwasser 1952 das Dorf zerstörte.

Nach einer Viertelstunde Fußweg strömte der Bach aus der Schlucht heraus. Ein kleiner Holzsteg verband die Ufer miteinander. Wie schön, dass hier ein Bach durch die Schlucht sprudelte. Das machte die Schlucht sofort lebendig.

Die grünen Bäume, die gelben Steine des Bachbettes, die aufragenden Schluchtwände und das grün schimmernde Wasser empfand ich vom ersten Augenblick an als harmonisch schön.

Die Eiserne Pforte, die an der engsten Stelle 3 bis 4 m breit ist, beeindruckt durch die hoch aufragenden Felswände, die eine gleichmäßig glatte Spalte bilden, die ich als unwirklich und geheimnisvoll empfand.

Manchmal schlängelt sich der Pfad an den Hängen entlang. Der ziemlich dichte Pinienwald nimmt dem Schutthang etwas von seiner Leblosigkeit.

Spätestens hier fällt auf, dass die Schlucht einen auffällig hohen Baumbestand aufweist. Die zyklopisch großen Felsbrocken erinnern an die gewaltigen Kräfte der tektonischen Erdverschiebung.

An dieser leicht überhängenden Felswand kann man die Wirkung tektonischer Kräfte, die zu einer Faltung geführt haben gut erkennen.

Ein bizarrer Felsvorsprung, auf dem über dem munter dahin plätschernden Bach auch noch eine Bäumchen hervorsprießt, geben der Schlucht etwas leichtes, beschwingtes.

Neben dem sprudelnden Wassers ging es dicht an der Felswand entlang. Hier fühlte man sich den Elementen besonders nah.

Mittags strahlte die Sonne direkt bis auf den Grund der Schlucht. Aber immer wieder gab es Wanderwege, die im wohltuenden Schatten von Pinien und Laubbäumen lagen.

Auf den offenen sonnenbeschienenen Abschnitten der Schlucht, wirkten die dunklen Felswänden nicht bedrohlich.

Ist die Tektonik der Schlucht noch heute in Bewegung? Diese Felsbrocken scheinen jüngeren Datum von den Wänden gerollt zu sein. Die alten Minoer hätten wahrscheinlich den Zyklopen die Schuld gegeben.

Das Bachbett mit den hellen Steinen und die beschwingten Faltungen der Felswände vermittelten mir einmal wieder trotz der tektonischen Dramatik das Gefühl der Leichtigkeit.

Sinfonie in Grün über dem gelben Wanderweg. Eine Wohltat für die Seele!

Die Grundmauern des ehemals bewohnten Dorfes Samaria.

In dem Dorf Samaria, das heute zum Nationalpark Samaria gehört, herrschte ausgelassene Picknick-Stimmung.

Ein Foto vom Oberlauf des Baches durch die Samaria Schlucht aufgenommen von der kleinen Brücke, die das ehemalige Dorf Samaria mit dem Wanderpfad verbindet.

Auch hier sieht man den außerordentlichen Waldreichtum aus Pinien, Kiefern und Platanen. Die Schlucht wirkte auf mich belebend und ich dachte nur: So eine schöne Schlucht, gesegnetes Kreta.

Für heute hatte ich meiner Rekonvaleszenz Genüge getan und wanderte zufrieden und erfüllt von dem Naturerlebnis wieder zurück nach Agia Roumeli.

Nach meiner Wanderung durch die Samaria Schlucht, packte ich meinen Rucksack, verabschiedete mich von Bob, Siegried und Clarissa und kaufte ein Ticket für die Fähre nach Soughia. Durch einen schönen Zufall traf ich Joos und konnte mich von ihm auch noch verabschieden.

Nach 2 Stunden Fahrt legte die Fähre in Soughia an. Ich suchte mir ein Zimmer, aß etwas leichtes und bereitete mich auf den morgigen Wandertag vor.

 

1. Juni, von Soughi nach Paleochora

Soughia platzte aus allen Nähten. Die Straßen waren von Bussen und Autos verstopft. Ich war froh, dass ich ohne längeres Suchen eine schöne Unterkunft fand. Vor der morgigen Etappe hatte ich großen Respekt, weil ich mich noch nicht wieder ganz fit fühlte.

Der unscheinbare Hafen von Soughia

Nach der flachen Küstenstraße ging es hinter dem Hafen auf dem E4 steil bergan in eine kleine Schlucht.

Bei erster Gelegenheit legte ich unter einer Pinie eine Frühstückspause ein.

Blick von Osten auf die kleine Bucht Agios Kirkos. Plötzlich war ich von der Sorge geplagt, hier kein fließendes Wasser zu finden.

Diese Bucht war bereits in antiken Zeiten besiedelt. Bei archäologischen Ausgrabungen wurde in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts die Überreste eines Tempels zu Ehren des Gottes Asklepios entdeckt.

Auch fand man die Überreste der antiken Stadt Lissos, die ihre Blütezeit von ungefähr 40 v Chr. bis zur römischen Kaiserzeit hatte. Zur damaligen Zeit war Lissos ein bedeutendes Wasserheilbad. An diesem Brunnen sprudelt noch heute außerordentlich wohlschmeckendes Quellwasser. Meine Sorge, hier nur Trockenheit vorzufinden, war Gott sei Dank unbegründet..

Wiederum ein Blick auf die Bucht, diesmal von Nordwesten.

Auf einem Höhenplateau ging es auf dem schwach gekennzeichneten E4 nach Westen,

bis ich vom Rand der Hochebene auf das Meer und eine langgezogene Halbinsel mit der Stadt Paleochora sehen konnte.

Ein steiler Pfad führte mich bei großer Hitze zur Küste hinunter.

Nach einer guten Stunde Wanderung über Klippen und Strände erreichte ich den großen Sandstrand von Gyaliskari.

Auf Schotterwege und asphaltierten Straßen wanderte ich in der Nähe des Meeres nach Paleochora.

Das ist Paleochora, die Stadt, die sich auf einer Halbinsel ins Meer hinaus zieht. Auf dem Rücken des Berges findet sich eine kleine Burg.

Mein Hotel direkt am Meer.

Der kleine malerische Balkon lag zur Stadt hingewandten Seite.

Nachts war die Stadt hell erleuchtet und Tische und Stühle der Restaurants waren auf der Straße aufgebaut. Ich nahm Platz, schaute mir ein Fußballspiel auf dem Fernsehaparat an und aß eine Wenigkeit.

 

2. Juni, von Paleochora nach Elafonissos

 

 

Blick von Paleochora nach Osten über das Meer

Stundenlang wanderte ich auf Straßen um die Bucht Plakaki nach Koundoura. Ich hatte es nicht eilig und hielt Ausschau nach einer Unterkunft. Leider fand ich nichts. Nicht einmal ein Kafenion kam mir zu Gesicht.

Am späten Mittag erreichte ich die Krios Bucht, wo ich mich an einen Felsen lehnte und mich von der Asphaltlauferei erholte.

Der nun folgende E4 Küstenweg war in jeder Hinsicht sehr abwechslungsreich und auch interessant. Zum Beispiel stand hier wohl die alte Siedlung Vienna, deren Reste heute noch zu sehen sind, aber wegen des Absinken des Landes nun im Wasser liegen.

Hier auf dem Strand eine mindestens 2-jahrtausend alte Säule, die wahrscheinlich zu einem Tempel gehört hat.

Auch diese bizarre Küste ist das Ergebnis tektonischer Kräfte.

Die charakteristische Halbinsel von Elafonissos, die man zu Fuß begehen kann.

Eine kleine Kapelle am Hang mit einer Quelle war mein nächstes ersehntes Ziel.

Kleine Rast auf den Steinbänken dieses Gotteshauses

Über steile anstrengende Klippenpfade geht es hoch und runter weiter Richtung Elafonissos.

Seitdem ich einen E4-Track auf meinem GPS hatte, verlief ich mich kaum noch im großen Stil. Aber hier passierte es, dass ich den Pfad, der direkt zur Küste führte übersah und stattdessen auf einen anderen Pfad einbog, der sich oben auf der Klippe parallel zur Küste entlang schlängelte.

Ich hatte eine gute Sicht auf den langgezogenen Sandstrand. Dennoch war es bedauerlich, denn nach einer Stunde konnte ich erkennen, dass der E4 sich von mir entfernte. Mir blieb nichts anderes übrig, als von meiner Klippe zum Strand hinab zu klettern.

Diesen weglosen Hang musste ich zwischen Felsbrocken und dornigem Macchiagebüsch hinunter steigen und zum Teil klettern. Leider stürzte ich zwei Mal und verletzte mich am Knie und auf dem Nasenbein. Ich machte mir Vorwürfe, dass ich wohl besser zurück gegangen wäre, anstatt mit dem Rucksack unnötige Risiken einzugehen. Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können. Nun musste ich mich erst einmal erholen und mir die Dornen aus den Händen ziehen, bevor ich auf dem Strand weitermarschierte.

So schön dieser Sandstrand war, das Laufen auf ihm war unsäglich mühsam.

Es gab auch immer wieder Klettereinlagen, die anstrengend und zeitraubend waren.

Unglaublich, aber das ist die Fähranlegestelle von Elafonissos. Von hier ist der Weg zu einer Straße mühsam zu finden.

Das war das offizielle Ende meiner Wanderung durch Kreta auf dem E4 von Osten nach Westen. Klar, war ich glücklich Kreta durchwandert zu haben.

Ich lief auf die Anhöhe nach Elafonissos hinein und fand ein schönes Restaurant und anschließend in der Nähe auch ein Hotel. Hier ließ ich es mir richtig gut gehen und hatte keinerlei Eile mehr. Trotzdem plante ich, morgen nach Chrisos Kalitisa zu wandern und mir das Kloster anzusehen. Für die nächsten Tage stand der Versuch der Besteigung des Psiloritis auf dem Programm und zum Abschluss wollte ich noch die antiken Stätten um Festos und das Meer bei Kalamaki besuchen.

 

3. Juni, Chrysoskalitissa, Chania, Heraklion, Anogia

Wer den E4 gelaufen ist und Elafonissos erreicht hat, der läuft auch noch zum KLoster Chrysoskalitissa und besichtigt es.

Das Kloster Chrysoskalitissa wurde im 19. Jahrhunder auf einem Fels erbaut, der zum Meer hin steil abfällt.

Das Kloster ist ein griechisch, orthodoxes Frauenkloster, das heute nur noch eine Nonne und einen Mönch beherbergt, um die Gebäude und Kloster instand zu halten.

Der Name Chrysoskalitissa bedeutet "Goldenes Treppchen". Der Legende nach ist eine Stufe der Klostertreppe aus purem Gold, die allerdings nur der sehen kann, der ohne Sünde ist. Ich muss gestehen, dass ich auch nichts gesehen habe.

Die Kirche steht auf der Kuppe des Berges.

Der Gottesdienst in der Kirche wird von einem Priester gehalten, da im orthodoxen Glauben nur Männer diesen Dienst ausüben dürfen.

 

5. Juni, 1. Versuch der Besteigung des Psiloritis

Nachdem ich auf meiner Wanderung auf dem kretischen Weg immer wieder sehnsüchtig zum Psiloritis hinauf geschaut hatte, ihn aber nicht wegen schlechten Wetters besteigen konnte, hatte ich mir diesen Wunsch bis zum Schluss meiner Wanderung aufgehoben.

Allerdings wird der mit 2454 m höchste Berg Kretas vorzugsweise im Herbst bestiegen, wenn dort kein Schnee mehr liegt. Ich hoffte auf etwas Glück.

Blick auf die Lefka Ori Berge. Von einer Besteigung wurde mir dringend abgeraten, weil vor allem in diesem Jahr, noch zu große Schneemengen eine Wanderung unmöglich machten.

Das ist die über Kreta hinaus bekannte Nida Hochebene. Inmitten einer kargen Berglandschaft auf einer Höhe von 1400 m erfreut sich das Auge über eine grüne Ebene von 1,5 km mal 2,5 km. Der Boden ist fruchtbar, dennoch kann hier wegen der außerordentlichen Höhe und häufigen Überschwennungen kein Getreide oder Obst angebaut werden. So wird sie hauptsächlich als Weidefläche genutzt.

Die Zufahrt zur Nida Hochebene ist von Anogia kommend auf einer 20 km langen und asphaltierten Landstraße möglich, die zwar schmal, aber äußerst kurzweilig ist.

Die Straße endet auf diesem riesigen Parkplatz an einer Bauruine, die wohl mal zur Bergstation mit Restaurant ausgebaut werden sollte.

Von diesem Parkplatz aus gibt es einen Wanderweg zum 7,5 km entfernten Timios Stavros, alias Psiloritis. Diesen höchsten Berg Kretas von de Nida Hochebene zu besteigen, wird zwar als Alternative zur Besteigung von Kamares aus angepriesen, aber es wird auch nachdrücklich darauf hingewiesen, dass eine sehr gute Kondition notwendig ist, um die Besteigung an einem Tag zu schaffen. 7,5 km Weglänge erschienen mir machbar und so machte ich mich 8 Uhr morgens vom Parkplatz aus auf den Weg.

 

Es war ein wunderschöner Morgen, sonnig aber frisch und leicht windig.

Der Pfad war gut zu erkennen.

Hier, über dieser Schneebarriere, lag das erste kleine Hochplateau und hier gabelten sich die Wege. Man konnte Richtung Kamares über die Südroute gehen. Es gab aber auch einen kaum sichtbaren Pfad in nordwestlicher Richtung, der immer auf Höhe blieb.

Im Tal sieht man den südlichen Pfad, zu dem man aber erst hinab steigen muss.

Ich blieb auf der Höhe und kam gut voran. Da kam mir ein Wanderer entgegen, der ziemlich hohläugig und zerzaust aussah. Ich fragte, woher er komme. Vom Psiloritis, sagte er und nun drang ich in ihn und wollte die näheren Umstände wisssen.

Ja, eigentlich wollte er die Tour an einem Tag schaffen, aber er hätte schon einen ganzen Tag gebraucht um zum Gipfel zu kommen. Für die Nacht sei er nicht ausgerüstet gewesen, aber zurück konnter er auch nicht mehr. So habe er mit viel Glück Pappen gefunden auf denen er sich auf den Boden hingelegt habe. Doch er habe kaum geschlafen, sei früh aufgebrochen, habe jetzt gegen den Wind kämpfen müssen. Diesen Berg schaffe man nur an einem Tag, wenn man keine Pause macht und sehr schnell ist. Schließlich habe man ja nur 12 Stunden Tageslicht.

Nach den Ausführungen des Wanderers, der meiner Meinung nach ziemlich am Ende war, wurde ich nachdenklich. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich den Psiloritis frühestens am fortgeschrittenen Nachmittag erreichen könnte. Mittlerweile kamen auch steile Schneefelder, deren Überquerung nicht ungefährlich war und die viel Zeit kosteten.

Als der Wind immer stärker wurde, war mir klar, dass ich den Psiloritis erst am frühen Abend erreichen würde.

Das Wolkenband über seinem Gipfel zeigte mir an, dass dort der Wind über dem Gipfel gepresst wurde.

An dieser Schutzhütte war ich ca. 14 Uhr und legte ich eine längere Pause ein. Soviel stand fest, wenn ich zum Gipfel weiter wanderte, würde ich auch auf der Höhe übernachten müssen. Dafür war ich aber in keinster Weise ausgerüstet. 15 Uhr entschied ich mich zur Nida Hochebene zurück zu wandern.

Gegen 18 Uhr ereichte ich den Parkplat und fuhr nach Anoigia, um dort zu übernachten.

 

6. Juni, 2. Versuch der Besteigung des Psiloritis

In Anogia legte ich einen Ruhetag ein und erfuhr, dass es noch eine Wanderroute auf den Psiloritis von Lavadia aus gibt. Das wollte ich unbedingt sehen und ausprobieren.

Auch Livadia bemühte sich, in Konkurrenz zu Anogia, etablierter Ausgangspunkt zum Psiloritis zu sein.

Auch von Lavadia führt eine asphaltierte Landstraße zum Startpunkt der Tour auf den Psiloritis.

Nach ca. 15 km Fahrt erreichte ich den großen Parkplatz mit der Refugestation Mixoruga. Das war eine Ansammlung von unbewirtschafteten Steinhäusern, wobei man im Hauptgebäude kostenlos ein Nachtlager beziehen kann.

Es war relativ sauber und ich richtete mich gleich häuslich ein. Von hier aus möchte ich morgen früh den Psiloritis besteigen, denn ein Blick auf die Karte sagte mir dass dieser Anstieg wesentlich kürzer ist, als der von der Nida Hochebene aus.

Es war schon fast dunkel als ich auf dem Pfad, der vom Psiloritis herunter kommt, Lichter flackern sah, die sich nach unten bewegten. Keine Frage hier kamen Wanderer, die die Hütte erreichen wollten.

Und richtig, als erstes kam eine Frau mit schwerem Rucksack, die mir nur klar machte, dass sie Russin sei, kein Englisch spräche und ihr Mann wegen Knieproblemen nach komme. Der Mann erreichte die Hütte eine Viertel Stunde später und konnte englisch sprechen. Er erzählte, dass sie auf dem Psiloritis übernachten wollten, aber das Joch hätten sie nicht überqueren können, weil dort ein Sturm gewütet hätte, der sie fast den Hang hinunter geblasen hätte. Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben und er wünschte mir viel Glück.

Michail und Marina richteten sich auch für eine Übernachtung in der Refuge ein.

Am nächsten Morgen frühstückten wir zusammen, wobei Michail es nicht ertragen konnte, dass ich morgens kalte Milch trank. So bot er mir mit Nachdruck eine heiße Tasse Tee an. Die beiden waren sehr nett, meinten aber, dass ich das nur schaffen könne, wenn es keinen solchen Wind gibt.

6 Uhr verabschiedete ich mich und ging diesen gut gepflasterten Weg in die Höhe.

So einen gut ausgebauten Pfad habe ich nicht mal in den Alpen gesehen.

Blick zurück zur Mixoruga Hütte. Gesamtaufstieg zum Psiloritis ca. 850 m.

Der weitere Aufstieg erfolgt auf der Nordseite.

Der Pfad von der Mixoruga Refuge verbindet sich ungefähr hier mit dem Wanderweg von der Nidahocheben.

Jetzt galt es ausgedehnte Firnfelder zu überwinden. Der Hang war zu steil und der Firn zu unsicher, um ihn direkt zu überqueren. Also umging ich ihn weitgehend, indem ich bis zum Grat auf steilem Geröll anstieg.

Oben auf dem Grat blies ein mächtiger Wind. Ich arbeitete mich Schritt für Schritt wieder hinunter zu dem Joch, von dem aus der hier sichtbare Pfad zum Psiloritis führt.

Ich war in Hochstimmung und frohlockte, bald den Gipfel erreicht zu haben und meine lang ersehnten Bilder von der Kirche und dem Gipfel des Psiloritis machen zu können.

Doch je näher und tiefer ich auf das Joch zukam, desto heftiger wurde der Wind. Ich war noch nicht auf dem tiefsten Punkt, da packte mich der Wind im Rücken. Ich verlor das Gleichgewicht und stützte mich mit beiden Händen auf dem Boden ab.

Damit nicht genug presste mir der Wind meinen Rucksack samt Jacke so stark an den Kopf, dass ich befürchtete mein Brustgurt würde nicht mehr länger halten. Auch hatte ich Angst um meine Brille. Nun fielen mir die Worte von Michail, dem Russen ein, der nicht über das Joch kam und wegen Starkwind umkehren musste.

Ich gab auf und krabblte mühsam auf dem Boden zurück. Gerade noch himmelhoch jauchzend war ich jetzt deprimiert. Auch der 2. Versuch hat mir kein Gipfelglück beschert.

Ich machte mich auf den Heimweg und stieg zur Refuge hinab.

Langsam fuhr ich nach Anogia, kehrte zum Mittagessen ein und verzog mich anschließend in mein Hotelzimmer.

Erst als sich der Abend friedfertig niedersenkte, wurde mir bewusst, dass auch diese Wanderung großartig war, auch wenn ich die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel nicht ereichen konnte.

 

 

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